Warum ist der Bodensee 2026 so niedrig?
Redaktion bodensee-pegel.de ·
Der Bodensee steht am 11. Oktober 2026 bei 250 cm am Pegel Konstanz, 97 cm unter dem Mittel für diesen Tag. Hauptgründe sind laut Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) ein schneearmer Winter in den Alpen, monatelange Trockenheit und hohe Verdunstung im Sommer.
An 112 von 284 Tagen mit Messwert lag der See 2026 tiefer als an demselben Kalendertag in irgendeinem Jahr seit 1879.
Der Sommer, in dem der See nicht stieg
Normalerweise steht der Bodensee im Spätwinter am tiefsten und steigt dann mit der Schneeschmelze in den Alpen um rund zwei Meter bis zum Hoch im Juni oder Juli (mehr dazu im Ratgeber Jahresgang). 2026 fiel dieser Anstieg viel schwächer aus. Höchster Stand 2026 bisher: 337 cm am 12. Juni 2026. Im Mittel erreicht der See in einem Jahr 459 cm – der Höchststand lag also 122 cm unter dem üblichen.
Weil der See schon im Sommer so tief stand, liegt er jetzt im Herbst – wenn er üblicherweise ohnehin fällt – noch weiter unter den gewohnten Werten. Wie sich das Jahr Tag für Tag entwickelt hat, zeigt die Seite Niedrigwasser 2026.
Die Ursachen
Die LUBW nennt in ihrer Meldung vom 15. August 2026 mehrere Gründe, die zusammenkamen:
- Wenig Schnee in den Alpen. Der größte Zufluss, der Alpenrhein, wird im Frühjahr und Sommer vor allem von Schmelzwasser gespeist. Nach einem schneearmen Winter fehlte es.
- Trockenheit seit dem Spätherbst 2025. In Baden-Württemberg war es seit Ende November 2025 zu trocken, und auch im Einzugsgebiet in den Alpen fiel weniger Niederschlag als üblich. Die Zuflüsse, besonders der Alpenrhein, führten teils extremes Niedrigwasser.
- Hohe Verdunstung. An heißen Sommertagen verdunsten laut LUBW bis zu 30 Kubikmeter Wasser pro Sekunde von der Seeoberfläche. Sonst gleichen die Zuflüsse das aus – 2026 floss dafür zu wenig nach.
Hinzu kommt: Der Bodensee hat kein Wehr, mit dem man Wasser zurückhalten könnte. Was der Rhein bei Stein am Rhein abführt, ergibt sich allein aus dem Wasserstand des Sees.
Wie tief kann es noch gehen?
Der See fällt üblicherweise bis Februar oder März weiter; die LUBW erwartete deshalb weiter sinkende Pegel. Der tiefste Tageswert unserer Reihe seit 1879 stammt vom 13. Februar 2006: 233 cm. Die längere Konstanzer Messreihe der LUBW reicht bis 1850 zurück; ihr Tiefstwert sind 226 cm Ende Februar/Anfang März 1858.
Ob dieser Winter neue Tiefstwerte bringt, hängt vor allem vom Niederschlag der kommenden Monate ab. Den aktuellen Stand und die Einordnung zum Kalendertag zeigt die Startseite, die bisherigen Rekorde stehen unter Niedrigwasser am Bodensee.
Was das für Boote, Ufer und Baden heißt
Bei so niedrigem Wasser werden Hafeneinfahrten und Flachwasserzonen flacher, Brücken dagegen höher. Was das konkret bedeutet, steht in der Box „Was bedeutet das?“ auf der Startseite; mit dem Rechner für Durchfahrtshöhe und Wassertiefe lässt sich ein Wert aus der Seekarte auf den heutigen Pegel umrechnen.
Fragen
Trocknet der Bodensee aus?
Nein. Ein Meter weniger Wasserstand entspricht bei rund 536 km² Seefläche etwa 0,5 km³ Wasser – rund 1 Prozent des Seevolumens von knapp 50 km³. Für Ufer, Häfen und Schifffahrt ist das viel, für den See als Ganzes wenig.
Wann steigt der Bodensee wieder?
Normalerweise sinkt der See bis zum Spätwinter weiter und steigt erst mit der Schneeschmelze im Frühjahr. Wie stark, hängt vom Niederschlag im Herbst und Winter und von der Schneemenge in den Alpen ab.
Ist der Klimawandel schuld?
Ein einzelnes Jahr lässt sich nicht allein darauf zurückführen. Die baden-württembergische Umweltministerin sieht im Zustand des Sees aber die Klimakrise sichtbar werden: Im Sommer stehe weniger Wasser zur Verfügung. Wärmere, schneeärmere Winter wirken in diese Richtung.